Forschergeist, Entdeckungsdrang und lebenslanges Lernen.

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Forschergeist, Entdeckungsdrang und lebenslanges Lernen.

Dieser Post ist Teil der Serie „Alltagsschnipsel”. Diese basiert auf der „21 days of writing journey” von Mike Dooley aka. the Universe talks und bei der jeden Tag ein neues Stichwort zum Nachdenken und Schreiben einlädt. Heute geht es um das Thema „discovery”. Wir sind aufgerufen, unseren Forschergeist zu wecken und über etwas zu schreiben, das wir regelmäßig tun und dabei immer wieder etwas Neues lernen.

Meditationen anleiten. Jedes Mal eine neue Erfahrung.

Ein Feld, auf dem ich auf jeden Fall jedes Mal etwas Neues lerne, ist das Anleiten von Meditationen. Seit ich 2019 damit begonnen habe, habe ich so viel gelernt. Ich habe Meditationen in kleinen, mittleren und großen Gruppen (von 1 bis 20 Personen) angeleitet. In Privatwohnungen, im Meditationscamp, beim Burning Man, im Yoga-Studio. Mit Assistent und ohne. Mit Anfängern und mit alten Hasen. Alles dabei.

Meine Stimmung ist jedes Mal ein klein wenig anders – je nachdem, wie ich geschlafen und was ich geträumt habe, was ich gegessen habe, wie ich mich fühle, welche Gedanken mir im Kopf herumgehen, was gerade in meinem Leben passiert. Die Teilnehmer sind auch jedes Mal anders. Erstens sind es immer andere Menschen und diese bringen – jede und jeder für sich – auch ihre ganz eigene Stimmung mit. Wieder in Abhängigkeit davon, wie sie geschlafen, was sie geträumt, was sie gegessen haben, welche Gedanken ihnen im Kopf herumgehen und was gerade in ihrem Leben passiert. Die Tageszeit macht einen Unterschied, die Jahreszeit, das Setting, der Kontext, die Methode …

Vom Finden des eigenen Stils.

Anfangs war meine freudige Aufgeregtheit noch oft mit Nervosität und Unsicherheit gepaart. Heute verspüre ich vor den Sessions eine energetisierende Vorfreude und Neugier auf das, was gleich passieren wird und auch eine geerdete Ruhe. Denn auch wenn ich ergebnisoffen an die Session herangehe, fühle ich mich in meiner Rolle inzwischen einfach sehr wohl. Ich fühle mich darin zuhause, bin meistens entspannt und kann eine tiefe Freude und Dankbarkeit empfinden.

Auch habe ich mich anfangs relativ streng an gescriptete Abläufe gehalten, von denen ich mich mit der Zeit immer mehr lösen konnte. Klar, manche Meditationen, wie z.B. Osho- und andere aktive Meditationen, folgen einem ganz konkreten Aufbau und Ablauf, dessen Einhaltung für den „Erfolg” und die Wirkung der Meditation wichtig sind. Doch bei anderen kann man definitiv viel intuitiver und auch kreativer ans Werk gehen. Man kann ausprobieren und testen, was gut funktioniert, was einem selbst gefällt oder was einem gefehlt hat und was man beim nächsten Mal anders machen möchte. Man beobachtet (oder fragt), was den Teilnehmern gut tut und entwickelt so nach und nach seine eigenen Meditationen und seinen eigenen Stil.

Meditieren in der schönen neuen Online-Welt.

Aber dann kommt doch eines Tages wieder etwas ganz Neues um die Ecke: Online-Morgenmeditationen. Live übertragen per Zoom, mit Teilnehmern, die ich (noch) nicht kenne und teilweise weder hören noch sehen kann. Seit Covid-19 sind so viele Menschen mit ihren Angeboten online gegangen, die vorher nie gedacht hätten, dass sich sowas auch über die Distanz gut vermitteln lässt. Man kann Reiki-Sessions per Skype haben …

Und so leite auch ich seit Juli jeden Mittwoch- und Donnerstag-Morgen Online-Meditationen bei Berlin Hot Yoga. Für mich fühlt sich das sehr gut an. Auch die heutige Session war einfach nur schön. Ich habe eine gute Energie in der Gruppe gespürt und hatte das Gefühl. Wie immer war auch diese Session anders als alle vorausgegangenen. Schon verrückt: Man könnte meinen, dass sich so viel ja nicht verändern kann, wenn man vermeintlich immer das Gleiche tut. Und doch ist es jedes Mal anders, egal, wie viel Erfahrung und Routine man hat.

Die Tage vor der ersten Online-Session war ich aufgeregt und hibbelig wie ein Kind vor Weihnachten. In mir blubberte eine Aufgeregtheit, die sich total schön anfühlte, mich aber unruhig schlafen und auch in meinen Träumen nicht losließ. Ja, so ist das: Lampenfieber kann einen immer wieder erwischen. Irgendwie auch ganz schön …

Wie auch online ein „Feld” entstehen kann.

Und dann kam der „große Tag”. Es war toll. Aber auch schräg. Die Teilnehmer nur am Screen zu sehen, viele davon gar nicht, weil sie die Videofunktion ausgeschaltet hatten, das war schon weird. Am Anfang kam ich auch gar nicht auf die Idee, sie zu bitten, ihr Bild freizuschalten. Das wäre mir aufdringlich vorgekommen. Inzwischen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, diesen Wunsch zu äußern. Selbst wenn sich nicht immer alle zeigen – was im Übrigen auch total okay ist – so empfinde ich es doch als viel schöner für die gemeinsame Erfahrung. Denn selbst wenn bei der Meditation die Augen geschlossen bleiben – es verändert doch die Stimmung und kreiert mehr Nähe und ein Gruppengefühl, durch das auch ein geteiltes Energie-Feld entstehen kann.

Die Kunst des Übergangs.

Ein weiteres Learning betrifft das Ende. Die ersten Sessions habe ich alle relativ abrupt beendet: „Danke für eure Energie, Namasté, habt einen schönen Tag” und zack, bum, aus. Meeting für alle beenden, adios amigos. Wenn ich dann meinen Laptop zuklappte und mit einem Mal wieder ganz allein in meinem stillen Zimmer saß, war das ein echt schräges Gefühl. Für die Teilnehmer zuhause wahrscheinlich auch. Der Cut war zu hart. Inzwischen gebe ich allen Teilnehmern nach jeder Meditation die Möglichkeit, ihre Stummschaltung aufzuheben und noch etwas zu sagen, wenn sie möchten. Diese kurze Interaktion besteht meist nur aus wenigen Worten und dauert nicht länger als eine Minute geht. Doch sie erleichtert den Übergang von der individuellen Innenwelt und der virtuellen Welt hinein in die reale Welt und den Tag.

Von Lehrern und Schülern.

Meiner Meinung nach ist es bei allem was wir tun, wichtig, so offen, ergebnisoffen, unvoreingenommen, neugierig und bescheiden wie möglich zu sein. Man sollte – egal, auf welchem Gebiet – niemals glauben, dass man schon alles weiss. Wenn man einfach nur sein Programm abspult, seinen Text runterrasselt, dann verpasst man im Zweifel etwas ganz Wesentliches.

Wachsamkeit, Aufmerksamkeit, Präsenz, Neugier, Offenheit und Demut. Das macht meiner Meinung nach einen guten (Meditations-)lehrer aus. Und einen guten Schüler. Denn das sind wir auch immer, egal, wie gut und erfahren wir auch sein mögen oder zu glauben meinen. In der Schule des Lebens sind wir alle Schüler. Und als solche können wir jeden Tag und in jeder Situation etwas Neues dazulernen.


Ein anderes Thema, das in diesem Zusammenhang auch spannend wäre, ist: „Beziehung”. Das ist auch etwas, das ich „regelmäßig tue” 🙂 und bei dem ich jedes Mal und jeden Tag etwas Neues lerne. Mal sehen, wann ich dazu was schreibe …


Und du? Auf welchem Gebiet lernst du immer wieder etwas Neues dazu? Erzähl’s mir, ich bin neugierig!

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie ich dazu kam, Meditationslehrerin zu werden, dann schau dir diesen Artikel an: „Was man mit einem liebenden Herzen alles möglich machen kann. Über das Anleiten von Meditationen und wie ich dazu kam.”

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von noemie