Zwischen Fast Love und fast wahnsinnig – meine Erfahrungen mit Fasten

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Fasten. Eigentlich liebe ich es. Denn es tut meinem Körper und meiner Seele so gut. Solange es sich nicht um Teefasten handelt. Das – so habe ich am eigenen Leib erfahren – hat mich binnen kürzester Zeit in die Knie gezwungen und fast in den Wahnsinn getrieben.

Basen- und Saftfasten hingegen empfinde ich als reine Wohltat: Ich kann nicht mehr ohne und schenke mir mindestens 3 Mal im Jahr eine Fastenwoche, meistens sind es 4. Ganz recht, ich schenke mir das Fasten. Für mich ist es eine schöne reinigende, regenerierende und erdende Erfahrung und kein Verzicht.

Dieser Artikel bietet eine kurze und eher oberflächliche Übersicht über meine Erfahrungen mit verschiedenen Formen des Fastens. Für tiefergehende Details empfehle ich euch, noch andere, einschlägige Blogs oder Bücher zu lesen.

 

Das Basenfasten – Die sanfte Variante für Einsteiger

Angefangen hat alles mit dem sogenannten Basenfasten. Das ist die sanfteste Variante, die ich kenne. Es gibt einige „Lehrer“ bzw. Schulen, die jeweils leicht unterschiedliche Auffassungen davon haben, was basisch ist und was nicht. Neulich erzählte mir eine Bekannte, sie ernähre sich jetzt basisch, weshalb sie im Café heiße Schokolade mit Sojamilch bestellte, statt Cappuccino. Mich hat das einigermaßen überrascht und auch amüsiert, denn „mein“ Basenfasten ist da sehr viel strenger. „Mein“ Basenfasten folgt den Vorgaben von Sabine Wacker, einer Heilpraktikerin mit eigener Praxis, die gemeinsam mit ihrem Mann, dem Arzt Andreas Wacker, die sogenannte „Wacker-Methode®“ entwickelt hat. Nach dieser Methode sind ausschließlich Obst, Gemüse, Kerne und ausgewählte Nussarten, sowie Wasser und verdünnte Kräutertees erlaubt. Das schränkt einen zwar ein bisschen ein, aber man kann immer noch aushäusig essen, mit Freunden kochen oder im Café einen Tee trinken.

 

Warum Fasten?

Ich lege gern regelmäßig eine Basenfastenwoche ein, um mich zu entgiften. Detox, wie man so schön sagt. Mein Körper (und meine Seele) brauchen das nach Phasen der Völlerei, bzw. fühlen sich damit wohler. Da ich in der Food-Branche arbeite und ein professioneller Foodie, also Genussmensch bin, der sein Essen fotografiert, sind solche Phasen Teil meines Lebens. Gerade rund um die Feiertage oder wenn ich Gourmet-Messen in Frankreich und andernorts besuche, kann es passieren, dass ich (fast) jeden Tag Alkohol trinke. Und sei es nur zum Verkosten. Üppiges Essen kommt noch on top. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem mein Körper nach Entlastung schreit. Dann faste ich.

 

Wie alles anfing

Mein erstes Fastenerlebnis liegt nun bestimmt 4 oder 5 Jahre zurück. Es muss kurz nach Silvester gewesen sein. Ich hatte das Bedürfnis, zu entgiften und vielleicht auch 1 oder 2 Kilo abzunehmen, um mich in meiner Haut wieder wohler zu fühlen. Bis dahin hatte ich keinerlei Erfahrung mit Fasten gemacht und besorgte mir daher einfach zwei Ratgeber von GU: eine Anleitung zum “richtigen” Fasten, außerdem – ein eher zufälliger Fund – eine Anleitung zum Basenfasten nach Sabine Wacker. Das klang weniger radikal. Denn während ich das Buch zum „richtigen“ Fasten durchging, wurde mir immer mulmiger zumute. Eine Woche lang gar nichts (!) essen?! Ich?! Ihr müsst wissen: Ich gehöre zu den Leuten, die ziemlich grumpy und dünnhäutig werden, wenn sie Hunger haben. Der treffliche Begriff dafür ist „hangry“: hungry + angry (also hungrig und verärgert).

 

Der Säure-Basen-Haushalt

Aber zurück zum Basenfasten. Dem Basenfasten liegt der sogenannte Säure-Basen-Haushalt zugrunde und das steckt dahinter:
Unsere Organe benötigen unterschiedliche Säure-Basen-Milieus um reibungslos zu funktionieren und deshalb ist unser Körper permanent damit beschäftigt – u.a. – den Säure-Basen-Haushalt so zu regulieren, wie er ihn braucht. Säuren werden vom Körper selbst produziert und durch die Atmung, durch Schwitzen und andere Stoffwechselvorgänge, z.B. in Lunge und Nieren wieder ausgeschieden. Gleichzeitig führen wir unserem Körper jedoch auch durch unsere Nahrung Säure zu. Wenn wir zu viel Saures zu uns nehmen, versauern wir regelrecht. Dann lagert der Körper die Säuren, die er nicht ausscheiden kann, in unserem Bindegewebe ab. Das kann sich z.B. in schlaffer blasser Haut, Abgeschlagenheit und Müdigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen äußern. Auch andere Krankheiten sind eventuell auf eine Übersäuerung zurückzuführen, wie z.B. Osteoporose, Migräne oder Rheuma. Deshalb müssen wir darauf achten, dass wir uns genügend basische Stoffe zuführen, die den Säuren entgegenwirken.

Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die basisch verstoffwechselt werden, also Obst und Gemüse. Lass dich nicht verwirren: Auch die zunächst sauer erscheinenden Zitrusfrüchte oder Tomaten sind basisch, da sie basisch verstoffwechselt werden. Das ist es, worauf es hier ankommt.
Alkohol, Zucker und Kaffee sind ganz besonders böse Säurebildner, doch es gibt auch sogenannte gute Säurebildner, wie z.B. einige Getreidesorten, die du nicht komplett aus deinem Alltag streichen musst, deren Konsum du jedoch einschränken solltest, wenn du nicht übersäuern willst. Während der Basenfastenkur sind jedoch auch sie tabu. Aber keine Sorge: erstens ist das ja nicht für immer, zweitens sind Kartoffeln (auch Süßkartoffeln) eine wunderbare Alternative für Reis und Pasta!

Eine genaue Liste findest du hier: Basische Lebensmittel – Einkaufshilfe.

 

Basenfasten – wie funktioniert das?

Empfohlen wird eine Woche, aber je nach Möglichkeit, sind auch ein paar Tage schon gut. Wie es halt passt. Beim Basenfasten musst du keinen Entlastungstag einlegen wie es sonst vor der Fastenkur empfohlen wird (mehr dazu später). Insofern kannst du total spontan und ohne großartige Vorbereitung loslegen. Natürlich hilft es deinem Körper, wenn du nicht gerade noch am Tag zuvor Braten mit Klößen und Sauce hattest, und auch wenn du normalerweise viel Kaffee und Süßes konsumierst, wird es dir mit dem Fasten leichter fallen, wenn du das schon im Vorfeld etwas herunterschraubst oder weglässt. Die Entzugserscheinungen von Kaffee können sich als mehr oder weniger schwere Kopfschmerzen bemerkbar machen. Ich hatte damit bisher nur einmal zu kämpfen, aber es ist wirklich unangenehm und ich wünsche es niemandem.

 

Der Einlauf

Im Notfall kannst du aber jede Art von Schmerzen, unangenehme Begleiterscheinungen, Stimmungstiefs etc. mit einem Einlauf vertreiben. Denn ja, auch beim Basenfasten kommt man nicht um die Darmreinigung umhin. Ich persönlich finde das Thema überhaupt nicht schlimm, eklig oder peinlich, sondern eher faszinierend. Spätestens seit dem großen Erfolg des Buches „Darm mit Charme“ von Giulia Enders ist das Thema Darm ja auch etwas salonfähiger geworden. Falls du das Buch noch nicht gelesen hast: tu es! Es ist überaus unterhaltsam geschrieben, liebevoll illustriert und es ist wirklich spannend zu erfahren, wie Darm und Gehirn zusammenhängen, wie sehr unsere Gesundheit und auch unser geistiges Wohlergehen von diesem 20 Meter langen Schlauch beeinflusst werden!

Beim einwöchigen Basenfasten empfiehlt sich die Darmreinigung am ersten, am dritten und am fünften, vielleicht noch am letzten Tag. Ich nutze dazu einen Irrigator, also ein Einlaufgerät, das mit Wasser funktioniert und ganz einfach allein im Badezimmer verwendet werden kann. Du bekommst es in der Apotheke oder online. Ich persönlich ziehe diese Form der Darmreinigung anderen Methoden vor, bei denen man Abführmittel wie z.B. Glaubersalz schluckt, weil ich so viel besser kontrollieren kann, wann ich zur Toilette muss. Schau einfach selbst, was für dich am besten passt.  

 

Kein Fastenbrechen!

Das Bastenfasten endet relativ unspektakulär und ganz ohne Fastenbrechen. Anders als beim Saft- oder Teefasten, wo das gesamte Verdauungssystem pausiert und erst langsam wieder reaktiviert werden muss, bleibt das Verdauungssystem beim Basenfasten durchgehend aktiv. Die Energiezufuhr kommt ja nach wie vor von außen. Deshalb kannst du auch nach dem Fasten sofort wieder „normal“ essen ohne vorsichtig wieder aufzubauen. Trotzdem empfiehlt es sich natürlich, alte Gewohnheiten nicht sofort wieder aufzunehmen – vor allem die ungesunden – und sich weiterhin bewusst salz-, fett-, zuckerarm und vorwiegend vegan zu ernähren und auf Alkohol und Kaffee zu verzichten. Aber wie immer gilt: Höre einfach auf deinen Körper. Er weiß meistens von allein ganz gut, was für dich am besten ist. Ich ernähre mich momentan ohnehin vorwiegend vegan, da ist die Umstellung sowohl vorher als auch nachher nicht ganz so einschneidend. Auf den Getreide-Cappuccino mit geschäumter Hafermilch freue ich mich trotzdem immer schon ein paar Tage vor Ende der Fastenwoche.

Ich lege gern einmal pro Jahreszeit eine Basenfastenwoche ein, weil es spannend ist, zu sehen, wie/ob der Körper im Zyklus der Natur unterschiedlich drauf ist. Wie fit ich bin, wie schnell ich friere … und nicht zuletzt: was es frisches zu essen gibt! Zum Beispiel kommt man im Herbst und Winter mit selbstgemachter Gemüsesuppe (Kürbis, Kartoffel, Karotte, Blumenkohl, Broccoli, Grünkohl …) prima durch die Woche. Im Frühling und Sommer sind es vor allem Salate, Obstsalat und gedünstetes Gemüse mit etwas Olivenöl und Zitrone.

 

Was du beim Basenfasten zu dir nehmen darfst:

  • Obst und Gemüse so viel du willst
  • Bestimmte Nüsse: Mandeln, frisch geknackte Walnüsse. In Maßen
  • Etwas Olivenöl für den Salat. Zitrone statt Essig für das Dressing.
  • verdünnte Kräutertees (kein Kaffee, kein Tee)
  • Wasser

 

Was ich am Basenfasten mag:

  • Ich kann essen so viel ich will
  • Ich fühle mich fit, stark, gesund und voller Energie
  • Mein Geist wird klar
  • Ich fühle mich leicht
  • Ich verliere die Lust auf Süßes
  • Es ist relativ kompatibel mit einem normalen sozialen Leben und lässt sich auch problemlos in den Alltag integrieren
  • Ich kann spontan fasten ohne große Vor- und Nachbereitung

 

Saftfasten nach Buchinger

Die nächst-strenge Disziplin des Fastens, die ich ausprobiert habe, ist das Saftfasten nach Buchinger. Dabei nimmt man keinerlei feste Nahrung zu sich, sondern ausschließlich Flüssiges in Form von stark verdünnten Säften (Frucht- oder Gemüse), Gemüsebrühe und natürlich viel, viel Wasser. Etwa 3 Liter pro Tag mindestens. Ich nehme Wasser aus dem Hahn, das ich aber noch filtere, weil das Berliner Leitungswasser so kalkhaltig ist. Die Säfte und die Brühe sollten möglichst Bio sein, da du ja entgiften und deinem Körper keine chemischen Zusatzstoffe industriell hergestellter Nahrung zuführen möchtest.

Bei dieser Art des Fastens liegt die Kalorienzufuhr bei nur ca. 100 bis 200 Kalorien pro Tag und der Körper schaltet in einen anderen Modus um, bei dem alle Energie aus den körpereigenen Reserven bezogen wird. Den Einstieg markiert ein Entlastungstag, bei dem du am besten morgens, mittags und abends das gleiche isst. Z.B. Reis, Salat oder Gemüsesuppen. Das fährt den Stoffwechsel runter und entlastet deinen Organismus noch bevor es richtig losgeht.

Diese Form des Fastens habe ich bisher schon vier Mal durchgezogen und dabei jedes Mal die schöne Erfahrung gemacht, dass mein Körper sehr schnell umschaltet. Meist habe ich bereits am Morgen des ersten Tages das Gefühl, dass die Umstellung vollzogen ist und mein Körper nicht etwa darben muss, sondern glücklich seine Reserven vernascht. So lässt sich das Nicht-Essen wunderbar „aushalten“. Und wenn es mal schwierig wird, kennt ihr ja jetzt schon das Zaubermittel: Einlauf!

 

Mein Speiseplan beim Saftfasten:

  • Morgens: ⅓ Obstsaft verdünnt mit ⅔ warmem Wasser
  • Mittags: ⅓ Gemüsesaft oder Obstsaft verdünnt mit ⅔ warmem Wasser
  • Abends: ⅓ Gemüsesaft verdünnt mit ⅔ warmem Wasser oder eine warme Gemüsebrühe.

Saft und Brühe werden mit einem Löffel aus der Tasse gelöffelt und jeder Schluck gekaut bzw. sorgfältig eingespeichelt. Das ist wichtig, damit der Magen überhaupt Verdauungssäfte produziert. Sonst verwertest du nichts von dem, was du aufnimmst.

Wenn du merkst, dass dein Kreislauf am Boden ist, kannst du an einem Schnitzer Zitrone lutschen oder ein bisschen Honig naschen. Ein Teelöffel Honig am Tag ist wohl in Ordnung, wobei ich das alles nicht so streng sehe.

 

Die Darmentleerung

Beim Teefasten (siehe weiter unten) und beim Saftfasten ist die Darmentleerung besonders wichtig, weil du bei dieser Art des Fastens keine feste Nahrung zu dir nimmst und der Darm daher sehr bald seine Aktivität einstellt. Dennoch ist er natürlich nicht sofort komplett leer – er ist ja so lang! Damit also nicht alte Exkremente – sorry! – in deinem Darm vor sich hin gären, was zu Schlappheit, Kopfschmerzen, generellem Unwohlsein und depressiver Verstimmung führen kann, solltest du dich gründlich entleeren. Mindestens jeden zweiten Tag, bei Bedarf auch täglich. Je nachdem, wie du dich fühlst. Meine Devise lautet: „Im Zweifel: Einlauf!“

 

Hunger oder Appetit?

Ein Einlauf hilft auch, wenn du von Hunger geplagt wirst, denn wenn der Darm erstmal leer ist, spürst du keinen Hunger mehr. Es ist nämlich tatsächlich so, dass das, was wir gemeinhin als hungriges Magengrummeln bezeichnen, in Wahrheit Darmknurren ist!  

Ich habe beim Fasten tatsächlich kaum bis gar nicht mit Hunger zu kämpfen. Appetit habe ich zwischendurch manchmal, aber das ist nicht schlimm, da ja auch ein Ende der Fastenzeit immer in Sicht ist. Während des Fastens schaue ich einfach nicht so viele appetitliche Instagram-Bilder an, dann geht das schon …

Ich finde es einfach super spannend, wie mein Körper sich umstellt und was er alles leistet, auch wenn ich ihn nicht mit Nahrung füttere.

 

Die Entgiftung betrifft den gesamten Körper

Die Entgiftung schließt deinen gesamten Körper ein. Das heisst, dass du auch über die Haut und den Mund entgiftest. Das kann dazu führen, dass dein Schweiss vorübergehend strenger riecht, du mehr Belag auf der Zunge hast, Pickel bekommst etc. Ein Grund mehr, sich für das Fasten aufs Land zurück zu ziehen, wie ich es gern mache, wenn ich die Zeit dazu finde.

Wenn du dich normalerweise aber nicht allzu ungesund ernährst und nicht rauchst, hält sich auch das in Grenzen. Ich verwende auch sonst jeden Morgen einen Zungenschaber, den ich dann während des Fastens vielleicht etwas öfter benutze. Richtig schlimm belegt ist meine Zunge aber eigentlich nie. Wenn du es nicht gut aushältst, kannst du vegane Lakritze ohne Zucker lutschen. Die ist auch gut wenn der Mund sehr trocken wird, was häufig vorkommt.

Wichtig ist außerdem, dass du sanften Sport praktizierst, damit neben deinen Fettreserven nicht auch noch Muskeln mit abgebaut werden. Das wäre ja schade!

Und du kannst dir eine warme Wärmflasche auf die Leber legen. Denn die wird bei der Entgiftung besonders beansprucht.

 

Das Fastenbrechen

Das Ende der Fastenwoche wird mit dem berühmten Fastenbrechen begangen, also der ersten Aufnahme fester Nahrung, durch die dein Körper sofort wieder in seinen alten Modus zurückschaltet, bei dem die Energie von außen bezogen wird.

Klassisch wird mit einem Apfel „gebrochen“, der entweder roh oder gedünstet verzehrt wird. Du kannst aber auch eine Birne oder eine gekochte Kartoffel nehmen. Worauf du eben Lust hast. Und dann geht es darum, mit allen Sinnen zu genießen. Was meines Erachtens ganz von allein passiert, weil es so ein Fest ist. Ich breche das Fasten gern mit einem gedünsteten Apfel. Der duftet so gut, dass mir manchmal allein vom Duft die Tränen in die Augen steigen. Der erste Biss ist extatisch und kommt einem Orgasmus gleich: Wenn die Haut unter den Zähnen platzt und der Saft dir in den Mund schießt, feiern deine Geschmacksnerven eine Party und freuen sich wie Kinder an Weihnachten. Obwohl alles so gut schmeckt, darfst du nicht der Versuchung erliegen, zu hastig und zu viel zu essen. Das würden Magen und Darm nicht mitmachen: fiese Schmerzen wären die Rache. Nimm die Bezeichnung „Mahlzeit” beim Worte und mahle jeden Bissen sorgfältig, bis nur noch ein feiner Brei im Mund übrig ist. Das dauert zwar lange, ist aber wichtig, wenn du es deinem Körper nicht zu schwer machen willst.

 

Die Aufbautage

Nach dem Fastenbrechen kommen mindestens 2 Aufbautage (Faustregel: der Aufbau ist ein Drittel so lang wie die Fastenperiode), bei denen die Kalorienzufuhr sukzessive und vorsichtig gesteigert wird:

  • Am Tag des Fastenbrechens ca. 500,
  • am ersten Aufbautag ca. 800 bis 1000,
  • am zweiten Aufbautag ca. 1000 bis 1200.

Weiterhin „verboten“ sind tierische Produkte, Kaffee, Alkohol … aber das merkst du schnell selbst. Die Fettaufnahme sollte vorsichtig gesteigert werden und sei auch mit tierischen Produkten weiterhin vorsichtig. Blähende Lebensmittel wie Bohnen, Erbsen und Kohl solltest du am Anfang auch weglassen.

 

Raus in die Natur

Ich habe bisher drei Mal mit Saft gefastet, meistens mit einer guten Freundin, die damit noch mehr Erfahrung hat als ich. Einmal habe ich auch schon im normalen Berufsalltag in Berlin gefastet und sehr gute Erfahrungen damit gemacht, aber wenn es passt, nehmen wir uns frei und verziehen uns für eine Woche nach Brandenburg. Raus aus der Stadt, rein ins Grüne, am besten an einen See, wo wir die Tage an der frischen Luft verbringen und uns viel bewegen. Wir gehen dann viel Spazieren, Schwimmen, Rad- und Inlinerfahren, manchmal sogar Joggen.

Wir sind normalgewichtig und vorrangig an der Entgiftung und dem Erlebnis als solchem interessiert. Wir genießen die Zeit zu zweit in der Natur und dass wir uns durch das Fasten klarer und energetischer fühlen. Die Gewichtsreduktion ist tatsächlich eher zweitrangig und so beschränken wir die Fastendauer meist auf maximal 8 Tage. Sonst kann es auch schnell zu viel werden.

Bisher habe ich das Saftfasten nur im Frühling und Sommer praktiziert. Jetzt steht zum ersten Mal eine Fastenkur im kalten Berliner Januar an. Mal sehen, wie das wird. 

 

Von Fasten-Highs und Fasten-Tiefs  

Es wird viel von Fasten-Highs und Fasten-Lows geschrieben, also dem Phänomen, dass du dich durch das Fasten ganz fantastisch und fast wie auf Drogen fühlst, beziehungsweise total am Boden und in depressiver Verfassung bist. Meine Freundin hat ab und zu mit Fasten-Lows zu kämpfen, hilft sich dann aber mit einem Einlauf und dann geht auch das schnell vorüber. Ich habe tatsächlich weder das eine noch das andere Extrem erlebt, fühle mich jedoch insgesamt ziemlich gut wenn ich mit Saft faste.

Nur einmal ging es mir so richtig mies. Das war beim Tee-Fasten:

 

Teefasten oder im Handumdrehen fast wahnsinnig

Teefasten funktioniert so wie Saftfasten – inkl. Entlastungstag, Darmreinigung, Fastenbrechen und Aufbau. Der einzige Unterschied besteht darin, dass auch die verdünnten Säfte durch Tee ersetzt werden und man somit gar keine Kalorien zu sich nimmt. Ich habe es einmal ausprobiert und bin damit durch. Ein guter Freund von mir – der allerdings anfänglich wahrscheinlich das doppelte von mir auf die Waage brachte – ist der totale Fan dieser Methode. Noch nie habe er sich so klar im Kopf und so energetisiert gefühlt. Bei mir war es das genaue Gegenteil. Noch nie habe ich mich so schlapp gefühlt. Ich hatte Sternchen vor den Augen und war die meiste Zeit nur damit beschäftigt, wie ich wohl genug Energie aufbringen könnte um vom Bett oder Sofa aufzustehen ohne gleich wieder umzufallen. Für alles andere war ich schlicht zu schlapp. Keine Spur von mentaler Klarheit und Erleuchtung – es war ein Kampf.

Während ich beim Saftfasten an einem Tag im See schwimmen, laufen und Inliner fahren war, oder wir Fahrradtouren von 50 Kilometern machten, war ich diesmal maximal zu langsamem Spazieren im Stande. Der Versuch, langsam zu joggen endete nach 3 Kilometern mit hochrotem Kopf, schreienden Lungen, brennenden Seitenstichen und Herzklopfen wie von einem Metronom auf Ecstasy.

Andere nette Nebenerscheinungen waren Schlafstörungen und ein komisches Gefühl von juckenden Luftblasen unter der Haut. Wenn ich im Bett lag, konnte ich fühlen wie mein Herz laut klopfte, ohne dass ich dafür die Hand auf die Brust legen musste. Es war wirklich nicht schön und ich machte mir ernsthaft Sorgen.

Abgesehen von allem anderen finde ich das Teefasten aus Genießersicht wirklich traurig: Natürlich kann man mit den verschiedenen Teesorten variieren, aber am Ende bleibt es immer nur Tee. Ich esse gern und gut und meine Geschmacksnerven werden ganz traurig, wenn sie so darben müssen.

 

Mein persönliches Fazit:

Mir geht es beim Fasten um eine reinigende und erdende Körpererfahrung. Ich finde es toll zu beobachten, wozu mein Körper imstande ist. Ich genieße die Leichtigkeit und die freie Zeit, die man gewinnt, wenn man sich nicht 3 Mal am Tag Gedanken über Verpflegung machen muss (obwohl ich wirklich gern esse. Sagte ich das schon?). Ich empfinde die Fastenzeit als eine schöne Auszeit für Körper und Geist und nicht zuletzt als eine sehr wertvolle Zeit mit meiner guten Freundin in der Natur. Die purzelnden Kilos sind ein netter Nebeneffekt, wenn auch nicht der Hauptantrieb.

Basenfasten ist das Fasten, das sich am einfachsten in mein Leben einbauen lässt, Saftfasten das schönste. Teefasten ist nichts für mich.

 

Ein wichtiger Hinweis noch:

Fasten ist nicht gänzlich ungefährlich und man muss wissen, was man tut. Wenn du schon untergewichtig bist, solltest du nur vorsichtig und nicht zu lange fasten. Außerdem muss man gerade während der Aufbautage sehr vorsichtig sein.
Frag auf jeden Fall deinen Arzt, was er dazu meint und besorge dir Fachlektüre, die tiefer geht als dieser Artikel.

Kommentare

  • Vielen Dank für diese schöne Übersicht! Ich finde, die Texte wirken motivierend! Wenn ich nicht gerade fasten würde, würde ich jetzt fasten :D!
    Ich habe nur eine kleine Anmerkung zu machen – das Einspeicheln ist auch wichtig, da der Speichel sogar schon im Mund die Enzyme vorverdaut. Daher heißt es auch – gut gekaut, ist halb gegessen.

    Viel Freude beim Weitermachen und bis gleich
    Katha

    • Hallo, meine Liebe,
      vielen Dank für deinen schönen Kommentar!
      Den Hinweis zum Einspeicheln habe ich im Abschnitt „Mein Speiseplan beim Saftfasten“ aufgeführt. Fehlt es dir noch woanders?
      Liebste Grüße und bis gleich!

von noemie