Die Osho Dynamic Meditation. Dance like nobody’s watching.

D

Wann hast du das letzte Mal getanzt, als ob keiner guckt? Kannst du dich daran erinnern? Falls es schon zu lange her ist, könntest du darüber nachdenken, es mal wieder auszuprobieren. Zum Beispiel mit der Osho Dynamic Meditation. Wobei es dabei um so viel mehr geht, als nur ums Tanzen. Es ist eine aktive Meditation, die einen Prozess anstößt, bei dem alles hochkommen darf. Und bei dem es komplett egal ist, ob irgendjemand zusieht.

Für mich war es Anfang Dezember mal wieder an der Zeit, dem Ruf zu folgen …

Der frühe Vogel und die Katharsis.

Ein Montagmorgen im Dezember, kurz vor halb 10. Ich sitze in einem Café und lasse die letzte Stunde Revue passieren. Seit ich mich um 6 Uhr aus dem Bett gezwungen habe, ist einiges passiert. Ich habe schon einen ordentlichen Ritt hinter mir, eine ganze Reise eigentlich. Eine einstündige Reise in mein Inneres. Die Osho Dynamic Meditation. Betreutes Ausrasten mit System.

„The dynamic meditation is madness. But madness with a method.“

Die Dynamic Meditation will gleich nach dem Aufwachen gemacht werden, wenn das Tor zur Traumwelt und zum Unterbewusstsein noch ein Stückchen offen steht. Idealerweise committed man sich für 3 Wochen, also ganze 21 Tage, die kein Wochenende kennen. Man kann aber auch „nur“ 7 oder 14 Tage machen. Ich nehme mir drei Wochen vor. Drei Wochen, in denen ich um 6 aus dem Bett muss, damit ich um 7 Uhr auf der Matte stehen und alles rauslassen kann, was in mir schlummert und raus will. Alles. Die totale Katharsis.

Ein paar Worte zu Osho: Einige von euch haben wahrscheinlich erst durch die Netflix-Serie  „Wild, wild country“ überhaupt von ihm erfahren. Andere sind vielleicht treue Anhänger – sogenannte „Sannyasins“ – für die ein Besuch im indischen Poona, dem Osho-Hauptquartier, zu den Highlights im Leben gehört. Ich selbst habe mit seiner Person eher wenig am Hut. Was mich vielmehr interessiert, sind die vielen verschiedenen dynamischen Meditationen, die er in den 60er und 70er-Jahren entwickelt und uns hinterlassen hat.

Es gibt mehrere „aktive Meditationen“ mit speziellen Namen wie z.B. Nadabrahma – auch eine meiner absoluten Lieblingsmeditationen – Devavani, Mahamudra … Und dann gibt es DIE Dynamic Meditation.

Das Prinzip hinter diesen Meditationen ist simpel und für mich sehr logisch: Es geht darum, den Geist des „modernen Menschen“ auf das Versinken in meditativer Stille vorzubereiten. Osho hatte nämlich erkannt, wie viel schwerer es uns heute fällt, von jetzt auf gleich zu meditieren. Unser Geist ist einfach zu sehr an, weil wir der permanenten Reizüberflutung ausgesetzt sind. Wenn wir nicht gerade als Nonne oder Mönch in einem abgelegenen Bergkloster leben, ist sie unser Normalzustand – ganz anders als vor tausenden von Jahren, als die klassischen Meditationen entwickelt wurden. Wir müssen also erst den Geist beruhigen und mehrere Schichten durchdringen, um zu unserer inneren Stille zu finden. Diese Schichten haben viel mit sozialer Kontrolle und dem Tragen einer Maske zu tun. Mit Konventionen, an die wir uns halten. Mit Contenance. Von all dem können wir uns durch verschiedene Aktivitäten, wie Bewegungen, befreien. Die Dynamic Meditation dauert eine Stunde und wird von Musik begleitet. Am besten lässt sie sich in einem geschützten Raum, z.B. einem Meditationsstudio wie dem Kreuzberger Osho Studio in der Gruppe und mit erfahrenen Anleitern praktizieren. Wie gesagt am besten morgens, idealerweise kurz nach dem Aufstehen.

Die Meditation gliedert sich in folgende 5 Stages:

  1. Stage 1: Chaotic breathing. 10 Minuten
    Schnelles und chaotisches Atmen durch die Nase. Nimm dabei deinen ganzen Körper mit, gehe weich in die Knie und verkrampf nicht. Wenn du merkst, dass du abwesend immer gleich atmest, werde dir dessen bewusst und durchbrich das Muster. Hier geht es um Chaos.
  2. Stage 2: Catharsis. 10 Minuten
    Katharsis. Lass alles raus, was in dir steckt und hochkommen will. Wut, Trauer, Angst, Freude … Du kannst schreien, lachen, springen, schimpfen, dich schütteln, um dich schlagen, treten, boxen, dich auf dem Boden wälzen … Folge einfach den Impulsen deines Körpers.
  3. Stage 3: Jumping and shouting. 10 Minuten
    Mit erhobenen Armen auf- und abspringen, mit gebeugten losen Knien auf der ganzen Fußsohle landen und beim Landen laut “Hoo!” rufen. Dabei geht es darum, eher nach unten in den Boden zu springen und nicht nach oben. Durch diese Aktivität verbindest du dich mit deinem Lebens- und Sex-Center, das im gesamten Beckenbereich (inkl. Anus und Geschlechtsorgane) liegt. Du bündelst die Energie in diesem Bereich und bildest durch die empor gestreckten Arme außerdem eine Brücke zwischen Himmel und Erde.
  4. Stage 4: Stillness. 15 Minuten
    Nach Stage 3 ertönt ein lautes „Stopp!“ Jetzt heisst es, sofort mit dem Springen und Rufen aufzuhören und regungslos so stehen zu bleiben wie du gerade bist. Es folgen 15 Minuten des absoluten Nichtstuns. Bewege nichts, beobachte nur. Auch wenn sich etwas unangenehm anfühlt.
  5. Stage 5: Dancing. 15 Minuten
    Bewege dich zur wieder einsetzenden Musik.

„It’s like the gears of a car: If you don’t go through them one after the other you don’t get through at all.“

Wichtig ist, dass du während der gesamten Zeit wachsamer, achtsamer und aufmerksamer Beobachter bleibst und dich nicht in der Aktivität verlierst.

„You have to be present all the time! Give it all you got but don’t get lost. If you don’t do that you don’t get it. But also be gentle with yourself, be loving. It Takes time.“

Die Augen bleiben geschlossen. Wer das nicht allein hinbekommt, kann eine Schlafmaske aufsetzen. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das Ganze irre anstrengend und schweißtreibend. Was auch irgendwie dazu beiträgt, dass man sich hinterher doppelt gereinigt fühlt. Körperlich und geistig. Es hat was von einem spirituellen Workout. Die Kondition steigert sich auf jeden Fall, was ein netter Nebeneffekt aber nicht das Ziel ist.

Was hat es mit diesen Stages auf sich und was macht das mit mir?

In Stage 1 geht es darum, so viel und tief zu atmen wie möglich und so den Körper aufzuwecken, zu energetisieren und das Blut mit Sauerstoff anzureichern. Vor allem aber geht es darum, Muster zu durchbrechen. Hier soll das Chaos regieren und neue Wege eröffnen.

In Stage 2 geht es darum, Unverarbeitetes und Verdrängtes an die Oberfläche zu holen und so zu heilen. Vielleicht hast du dich in letzter Zeit über etwas oder jemanden geärgert oder du trägst noch eine alte Trauer mit dir herum? Hier und jetzt kannst du all das loswerden. Die Hauptsache in dieser Stage ist, dass du dich bewegst. So lässt du Blockaden los und schaltest den Kopf aus. Wenn alle um die herum auf einmal anfangen zu schreien und zu toben, ist es besonders wichtig, dass du dich auf dein Innerstes konzentrierst und wirklich das tust, was von dir ausgeht und dich nicht blind vom allgemeinen Toben und Wüten mitreißen lässt. Wenn erstmal nichts kommt, schüttel dich einfach ein bisschen und hab Vertrauen. Irgendwas wird kommen. Es muss auch gar nicht super vehement sein. Es wird das sein, was bei dir gerade ist.

In Stage 3 spätestens kommst du komplett raus aus dem Kopf und gehst rein ins den Körper. Es bleibt dir auch keine andere Wahl, denn es ist verdammt anstrengend, so auf und ab zu hüpfen, die Arme hoch zu recken und „Hooh!“ zu rufen. Versuche, dich wirklich mit deinem sex center zu verbinden und alle Lebensenergie dort zu bündeln. Wenn du es „richtig“ machst, wirst du bald eine enorme Energie fühlen, die wie eine leuchtende Säule durch dich durch pulsiert (zumindest empfinde ich es so). Du wirst fühlen, dass es nicht du bist, der/die hier springt, sondern dass du gesprungen wirst. Und dass du stark bist.  

Stage 4. Die Stille, in der alles kulminiert. Der Höhepunkt der Meditation, auch wenn es zunächst der unscheinbar the einfachste und langweiligste Part scheint.

„Don’t DO the Stillness.“

In dieser Stage geht es darum, sich nicht mit dem Körper und den Empfindungen zu identifizieren. Jede Bewegung (auch räuspern, husten, niesen, Schweiß wegwischen …) lässt Energie entweichen, die du vorher angehäuft hast, also bewege dich nicht! Du kannst das kontrollieren, indem du aufmerksam beobachtest. Jeder Impuls kündigt sich nämlich vorher an und du kannst entscheiden, ob du dem Impuls nachgibst oder nicht. Also beobachte aufmerksam, dann kannst du den Moment bemerken und dich dagegen entscheiden.

Stage 5 gehört auch noch zur Stillness, ist aber „Stillness in Movement“. Hier zelebrieren wir das Leben und alles, was gerade passiert ist. Lass deinen Körper einfach tanzen, wie er will. Als guckte niemand zu. Nicht mal du selbst.

Mama Gumps Pralinenschachtel: Man weiß nie, was man bekommt!

Ich habe meine erste Erfahrung mit der Dynamic Meditation im Frühling diesen Jahres gemacht: Im April waren es zwei Wochen am Stück, im Mai nach einer kurzen Pause dann drei. Und nun also Runde 3. Let’s have a last blast this year, bäm!

Der erste Morgen ist hart, denn natürlich habe ich es nicht geschafft, wirklich früh ins Bett zu gehen, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte. Manchmal frage ich mich, ob die Dynamic eigentlich auch so reinhaut, weil wir alle unter akutem Schlafmangel leiden … 😉

Kaum aber dass ich das Studio betrete weiß ich: It feels good to be back. An diesem Montag sind wir ca. 30 Leute, altersmäßig geschätzt alle etwa zwischen Anfang 20 und Anfang 40, die Männer-Frauen-Aufteilung ist – anders als oft im Yogastudio – mehr oder weniger ausgeglichen, wobei sogar tendenziell mehr Männer da sind. Vielleicht haben sie es nötiger, ihre Gefühle rauszulassen, weil sie dies in unserer Gesellschaft oft nicht so frei tun können wie Frauen?

Wie immer ist alles echt anstrengend, klappt aber ansonsten ziemlich gut: In Stage 1 habe ich anfangs noch kurz das Gefühl, zu ersticken, doch das gibt sich schnell. In Stage 2 will ich eigentlich explodieren, hochspringen und dabei Arme und Beine von mir strecken, wie ein Seestern, doch dazu reicht meine Energie nicht. Trotzdem schreie und zappele ich so gut es eben geht. Ich weiss gar nicht genau, was da raus will. Es ist kein bestimmtes Gefühl, keine bestimmte Erinnerung, eher ein allgemeines Schütteln und Schreien, als müsste mein Körper sich einer gewissen Anspannung entledigen.

Stage 3 halte ich durch und springe von Anfang bis Ende im schnellen Rhythmus der Musik. Wow! Das war beim ersten Mal im April nicht der Fall. Aber meine Kondition ist gut, ich war die letzten Tage relativ regelmäßig laufen. Das zahlt sich jetzt aus. Nur beim Rufen brauche ich Atempausen. Stage 4 läuft zunächst ganz gut, obwohl mein Geist ziemlich geschwätzig ist. Dann aber wird mir auf einmal so schlecht, dass ich Mühe habe, mich nicht zu übergeben. Gleichzeitig muss ich aufs Klo. Und zwar really bad und am besten sofort. All mein Blut scheint sich in meiner Körpermitte zusammen zu sammeln, das Sichtfeld hinter meinen geschlossenen Augen verengt sich, an den Rändern flimmert es grell weiß, in der Mitte ist alles schwarz. Obwohl ich mich dagegen sträube – ich „muss“ doch auch unangenehme Erfahrungen still beobachten können! – gebe ich schließlich nach und gehe in die Knie. Da setzt endlich die Musik für die finale Stage 5 ein und ich bin erlöst. Schweißgebadet bleibe ich noch kurz zusammengekauert auf der Matte hocken, dann kämpfe ich mich hoch und gebe mich der Musik hin. Wie gut die Bewegung tut! Die Übelkeit verfliegt und nach und nach kommt die Lust zurück. Ich zelebriere meine Wiederauferstehung, die Überwindung des inneren Schweinehundes am Morgen, dass ich „es getan habe“ und dass ich am Leben bin. Als die Musik verstummt, atme ich lange und tief aus. Ich fühle mich erschöpft aber glücklich, durchgespült, total leer und zugleich total erfüllt.

Die Dynamic Meditation ist wie eine Wundertüte oder Mama Gumps berühmte Pralinenschachtel: Man weiss nie, was man bekommt.

Tag 2 begrüßt mich mit fiesem Muskelkater in Schultern und Beinen, Rücken und eigentlich fast überall. Und wir alle wissen, dass es am dritten Tag noch schlimmer wird … Wird es dann auch. Aber egal. Wieder fällt mir das Aufstehen schwer und auch während der Meditation habe ich mehrfach mit Widerstand zu kämpfen. Mehrfach schießt kurz und schnell der Gedanke durch meinen Kopf, dass ich auch einfach aufhören könnte. Doch dann packt es mich immer wieder und ich kehre zurück in den Moment. Ich atme noch tiefer als am Vortag.

„Breathe like there’s no tomorrow.“

Die einleitenden Worte der Prozessbegleiterin – „Breathe like there’s no tomorrow“ – haben mich zusätzlich motiviert. In Stage 2 erlaube ich mir, eine Traurigkeit und Einsamkeit zuzulassen, die ich seit Tagen mit mir herumtrage. Allein das fühlt sich so befreiend und gut an, dass ich lache und jauchze. Ein Wechselbad der Gefühle.

„If it gets stressful during the day, you can always tap back into the silence of this morning, in this room.“

An Tag 3 ist der Muskelkater noch fieser, aber ich werde mit einem tollen Erfolgserlebnis belohnt: In Stage 3 merke ich, dass ich gewissermaßen „gesprungen werde“. Meine einzige Aufgabe ist es, „Hoo!“ zu rufen und präsent zu bleiben.

An Tag 7 gehe ich irgendwie tiefer als sonst und mache irgendetwas anders, ohne dass ich genau den Finger darauf legen kann. Ich erlebe wie eine tiefe Trauer gepaart mit Wut und Angst aus mir emporsteigen, die fast in einer Panik gipfeln. Es fühlt sich irre an, das einfach durch mich hindurch waschen zu lassen ohne es zu bekämpfen oder eindämmen zu wollen. Am Ende der Stunde stehe ich da und weine und muss danach erstmal eine Runde Fahrrad fahren, ehe ich in den Tag starten kann. Den ganzen Tag begleitet mich eine sanfte Schwermut, die aber genau so sein darf wie sie ist. Zumal ich schlussendlich weiss: Auch das geht vorbei. So wie alles.

„Dynamic Meditation is not something you can understand intellectually. You have to understand it energetically with your body.“

Ansonsten macht es an dieser Stelle wohl wenig Sinn, dass ich all meine Erfahrungen im Detail schildere, denn die Erfahrungen sind für jeden Menschen einmalig. Wie es sich für dich anfühlen wird, hängt davon ab, was du mitbringst, wie viel du unterdrückst oder rauslässt, wie sehr du dich auf die Erfahrung einlassen kannst, wie gesund oder krank du gerade bist, auf deine Stimmung, deinen Zyklus, deine Vorgeschichte …

Es kann auch mal passieren, dass du in deinem Prozess stagnierst und dich mehrere Tage wie auf einem Plateau gestrandet fühlst. Ansonsten nur so viel vorab: Die Dynamic Meditation ist ein wilder Ritt, die sehr viel auslösen kann und wenn du dich dem stellen willst, kann ich dir nichts besseres empfehlen.

Du kannst tief gehen, so tief, wie du willst, wie du es selbst zulässt und wie du es eben gerade kannst. Du kannst auf dem Weg Schätze bergen und Ungeheuer aus tiefen Höhlen an die Oberfläche locken, wo du sie dir dann ganz in Ruhe ansehen und verstehen kannst, dass du ihnen eigentlich nur einmal wirklich ins Gesicht zu sehen brauchst, damit sie ihren Schrecken verlieren.

* * *

Praktische Tipps und Hinweise:

  • Die Dynamic Meditation dauert 60 Minuten und teilt sich in 5 Stages ein.
  • In Berlin gibt es mehrere Studios, die sie anbieten. Du kannst dich online informieren.
  • Du kannst auch allein zuhause praktizieren – wenn deine Nachbarn damit kein Problem haben. Die Musik findest du z.B. auf Spotify.
  • Iss am Vorabend nicht zu schwer, nicht zu viel und nicht zu spät. Ich habe gemerkt, dass Knoblauch und die Dynamic Meditation sich bei mir nicht gut vertragen.
  • Denk dran, dich im Anschluss gut zu dehnen, sonst ist Muskelkater garantiert.
  • Trink extra viel Wasser. Mindestens einen Liter mehr als sonst.

 

Kann ich die Dynamic Meditation auch zuhause machen?

  • Theoretisch ja, denn es gibt die Musik auf Spotify und auf youtube
  • Es könnte Probleme mit den Nachbarn geben, das solltest du vorher vielleicht klären
  • Ich finde die Anleitung durch die Lehrer sehr gut und hilfreich und daher ist es für mich ein Gewinn, die Dynamic Meditation nicht allein zuhause sondern in der Gruppe im Studio zu machen. Im Studio am Schlesischen Tor gibt der jeweilige Anleiter jeden Morgen nochmal einen Input zu einem bestimmten Teilaspekt der Meditation. Das kann animieren und motivieren, noch bewusster und präsenter zu sein. Mir hilft das ungemein.

 

Ist das sozialkompatibel?

Einerseits ja, weil die Meditation so früh morgens stattfindet, dass man es auch vor einen 9-to-5-Job mit klassischen Arbeitszeiten schaffen kann. Andererseits ist gerade der frühe Start manchmal schwer einzuhalten, weil man ja nicht immer früh zu Bett gehen kann.
Wer Familie und Kinder hat, hat es bestimmt auch nochmal schwerer.

 

Ist das nicht peinlich?

Tatsächlich fragen viele meiner Freunde, denen ich von der Dynamic Meditation erzähle, ob das nicht irgendwie auch peinlich sei, sich mit so vielen fremden Leuten in einem Raum so „gehen zu lassen“? Meine Antwort ist eindeutig: Nein, nicht die Bohne. Mir sind die anderen Leute egal. Zwar ist es schön, nicht allein zu sein und es hilft sogar, zu wissen, dass auch alle anderen um mich herum „leiden“ und schwitzen und es motiviert mich, durchzuhalten, aber sonst? Wir lassen uns ja alle gleichermaßen gehen und tatsächlich guckt ja auch keiner. Und selbst wenn? Ich glaube, selbst mit offenen Augen wäre es mir nicht peinlich.

Ich finde sogar, dass die Frage nach der Peinlichkeit ein Hinweis darauf ist, wie sehr sich die fragende Person in sozialen Normen verstrickt hat …

 

Warum mache ich das alles? Was reizt mich?

Weil es so unfassbar gut tut, mal wirklich alles rauszulassen. Wann macht man das schon? Tanzen, springen, Grimassen schneiden, laut schreien, schimpfen … Man kann eine Menge emotionalen Ballast in sehr viel kürzerer Zeit loslassen, als sonst. Ich habe auf diese Weise schon eine Menge Wut auf einen Ex-Freund rauslassen können, was, glaube ich, sehr wichtig für mein Seelenheil war.

Die 10 Minuten der ersten drei Stages können sich ganz schön lang anfühlen, aber das ist gut, denn so kann eine Menge hochkommen. Oft ist es so, dass du denkst, du kannst nicht mehr. Und dann kommt doch noch was. Manchmal bin ich von mir selbst überrascht, manchmal muss ich einfach lachen: Was für Töne ich hervorbringen kann! Wie meine Stimme klingt, wenn ich mal wirklich schreie! Zu was für Bewegungen ich in der Lage bin! Wow, wie stark ich bin, was alles in mir steckt!

Ein Teil von mir mag wahrscheinlich auch die Herausforderung, das strenge Commitment. Ich gebe es zu, obwohl ich ahne, dass das nicht im Sinne des Erfinders ist: Ich will mit dem Commitment auch meinen Willen herausfordern und auf die Probe stellen. Schaffe ich es, jeden Tag so früh aufzustehen und dabei zu bleiben oder gebe ich mittendrin auf? Wie „stark“ bin ich, wie stark ist mein Wille? Wo sind meine Grenzen? Kann ich sie überwinden oder scheitere ich an ihnen?

Außerdem glaube ich an die heilende Wirkung des Ausdrucks, der Katharsis. In einem der vorigen Zyklen bin ich auch am nächsten Morgen nach einem schmerzhaften und sehr emotionalen Breakup wieder hingegangen. Das mag zunächst abgebrüht, kaltherzig und recht rigoros klingen, aber es war das einzig richtige. Ich habe geheult und geschrien, habe den ganzen Schmerz über die Trennung, die Enttäuschung, dass es wieder nicht geklappt hat, das Bedauern, alles rausgelassen. So habe ich mich dem Schmerz mit meinem ganzen Körper und Wesen gestellt, was viel direkter ist, als wenn man versucht, eine Trennung intellektuell zu begreifen und zu verarbeiten

Hinterher war ich total leer und habe mich gefühlt, wie einmal bei höchster Drehzahl durchgeschleudert. Aber es war gut. Ich glaube, anders wäre ich nicht durch den Tag gekommen, bzw. mit einer sehr viel niedrigeren Energie-Frequenz.

Und zu guter Letzt: Ich liebe es, so früh morgens zwischen all den Leuten, die zur Arbeit hechten, auf die Straße zu treten und zu wissen, dass ich schon „was geleistet“ habe. Das ist unbezahlbar. Zumal für eine sonst eher frühestens um 8 aufstehende Freelancerin wie mich 🙂

 

Wo bleibt bei dem ganzen Rumgehample das Meditieren?

  • In der Konzentration auf das totale Dasein im Moment, im Allesgeben bis du nicht mehr denkst. Tatsächlich konzentriert man sich in allen 5 Stages so sehr auf das Atmen, das „Abspasten“, das Springen, das Rufen, die Stille, die Bewegung, dass man gar nicht abschweifen kann. Wenn man präsent genug ist zumindest. Es ist das gleiche Prinzip wie bei der Taketina, wo die Konzentration auf Rhythmus und Musik dem Karussell des Geistes keinen Raum lässt.
  • In der Stille. Sie ist das Ziel auf das wir die vorigen 30 Minuten hin arbeiten, zu ihr arbeiten wir uns durch, indem wir die besagten Schichten von uns werfen.
  • In der Beobachtung, in der Hingabe, im Atem.

 

„Be alert, be present, be an observer, be a witness.“

 

1 Kommentar

von noemie