Asana Love Explosion – Ein Yoga-Workshop mit Herz und Verstand

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Als Silvia Stojanovic vor ein paar Monaten eine Workshop-Tournee durch Deutschland ankündigte und ihre Facebook-Follower fragte, welche Städte unbedingt dabei sein müssten, war ich eine von denen, die laut „Berlin!“ riefen. Ich bin ein Fan von Silvia, seit ich sie beim Portugal Spirit Festival kennenlernte, wo sie die letzte Klasse des Festivals unterrichtete, die „Love Explosion“. Eine gut besuchte und absolut magische Klasse voller Herzöffner, die im vom warmen Licht portugiesischen Septemberlicht durchfluteten Sky Room in der Casa de Santa Maria stattfand. Eine tolle, sehr energetische Klasse mit einer sehr menschlichen warmen und unfassbar sympathischen Lehrerin, die spürbar nicht nur mit Verstand, sondern auch mit viel Herz unterrichtete. Ich denke, das konnten wir alle spüren, denn die Energie im Raum war magisch. Mir kamen am Ende jedenfalls die Tränen. Was genau da eigentlich passiert ist, kann ich nicht genau sagen. Ich weiss nur, dass ich mehr davon wollte.

Und so buchte ich gleich bei Bekanntgabe der Daten meinen Spot im Berliner Workshop der Love Explosion-Tournee, der an zwei Tagen im Januar im „BiSee“, einem schnuckeligen Yoga-Studio in Berlin-Weißensee stattfand.

Herzlich Willkommen im BiSee Yogastudio
Wanddetail im Bi-See Yogastudio

Wieder war es sehr voll aber – anders als in Portugal – waren diesmal „nur“ Frauen als Teilnehmerinnen dabei. Der einzige Mann im Raum war Ido, ein israelischer Musiker, der Silvias Unterricht begleitete.

Ido, der Musiker

Ich weiss nicht, ob ihr „The Revenant“ gesehen habt und euch an den Soundtrack des japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto erinnern könnt. Mich hat seine Musik sehr daran erinnert: Sehr minimalistisch und atmosphärisch, mit viel Gitarrezupfen, das hier und da durch andere Klanginstrumente ergänzt wurde. Das war kein stetiger Sound-Teppich. Stattdessen unterstrichen die Klänge unsere Bewegungen und Silvias Anleitungen. Die beiden wirkten wie ein jahrelang aufeinander eingespieltes Team, obwohl das tatsächlich ihr erster gemeinsamer Auftritt war, wie mir Ido hinterher verriet.

Silvia, die sich selbst als Ashtangi bezeichnet, begreift die ein bis zwei Quadratmeter der Matte als ein Labor für Selbsterkenntnis. Diese Lust am Experimentieren merkt man ihrem Stil deutlich an. Wer einfach nur eine flüssige Abfolge von Asanas erwartet, die man stur „herunterturnen“ kann, der ist bei ihr eher Fehl am Platze.
Ich würde ihren Unterrichts-Stil als einen unkonventionellen Mix aus hochprofessioneller Anleitung, Spiel und Spaß, Spiritualität und Philosophie beschreiben. Sie geht herum, korrigiert jede Pose und gibt gern Tipps. Dabei darf geschwitzt, aber auch gefragt und gelacht werden.

Auf das Chanten von Mantren kannst du dich auch freuen. Silvia legt großen Wert auf die korrekte Ausführung der Asanas, aber auch darauf, dass die Teilnehmer ihrer Klassen verstehen, worum es eigentlich geht. Und dass ihre Klassen „Love Explosion“ heißen, kommt nicht von ungefähr: Silvia geht es bei allem, was sie tut, um Liebe. Selbstliebe, Empathie, Mitgefühl. Es geht ihr darum, eine bessere Welt zu erschaffen. Und zwar nicht als Missionarin und Weltverbesserin mit dem naivem Glauben, wir könnten durch Yoga alles Unrecht der Welt auf einen Schlag beseitigen. Aber sie möchte ihre Yogis darin schulen, ihr eigenes Licht zum Leuchten zu bringen und damit in ihrem vielleicht kleinen und begrenzten Radius, Liebe in die Welt zu tragen. Für Silvia ist Yoga „Aufmerksamkeitsarbeit“. Eine jahrtausendealte Praxis, die wir nicht nur üben, um einen tollen Körper zu haben und uns fit zu fühlen, sondern auch, um es dann nach draußen zu tragen.

Silvia Stojanovics

„Fangt an, diesen Körper zu lieben, diesen Raum, den wir jetzt noch haben, zu nutzen. Die Praxis hilft uns dabei, immer wieder in unsere Kraft zu kommen, egal, was dann passiert.“

An diesem Wochenende lag der Fokus auf der Weichheit. Damit war einerseits die körperliche Weichheit gemeint, Flexibilität in den Gelenken und in den Muskeln. Aber auch die geistige Weichheit, das Sanftsein mit sich selbst, weg vom ständigen Starksein. Wenn wir mental weich sind, kommen wir weg vom ständigen Reagieren und stattdessen ins Genießen, Akzeptieren, sein lassen …
Witzigerweise hatte ich bei einem Silvester-Stille-Retreat vor einem Jahr genau dieses Wort als mein Mantra gezogen.

Vielleicht hatte ich mich dem noch nicht genug gewidmet und sollte durch diesen Workshop erneut daran erinnert werden? Oder vielleicht sollten wir uns alle kollektiv dieser Qualität noch mehr widmen, die in der viel zitierten „Leistungsgesellschaft“ als weniger wichtig angesehen wird?

„Werde so weich, dass dein Herz zwischen deinen Füßen auf den Boden rutscht!“

Passend zu einer weichen Haltung – körperlich und geistig – gilt es also, „pain free practice“ zu betreiben, also schmerzfreie Praxis. Die übst du, indem du deine Grenzen kennst und respektierst, ohne irgendetwas erzwingen zu wollen. Was die anderen auf der Matte machen, hat nichts mit dir und deiner Praxis zu tun. Vergiss nie, dass alle anderen einen ganz anderen Körper haben als du, dass sie einen anatomisch ganz anderen Körper, eine ganz andere Praxis haben als du. Du hast deinen Körper und deine Praxis. Also bleib bei dir und sei weich und sanft mit dir selbst.

All diese Weisheiten vermittelte Silvia mit viel Humor, während wir durch die verschiedenen Asanas gingen. Und so war „Chakalaka“ ein weiteres Zauberwort der Stunde, das sie von Zeit zu Zeit wie ein Mantra aus der Kindheit einwarf, wenn wir vielleicht gerade vielleicht etwas zu ernsthaft (und damit nicht weich?) an die hoffentlich perfekte Ausführung neuer Asanas gingen. Und dann tanzten wir. Wiegten uns, spielten mit unseren Körpern, jubelten. Die Energie war wieder übergesprungen, die Liebe floss aus unseren Herzen in den Raum, in die Welt. That’s Body Intelligence, Baby!

Ein anderes immer gültiges magisches Zauberwort ist „Atmen!“, denn auch das vergisst man gern mal bei dem Versuch, alles perfekt hinzubekommen. Dabei geht alles so viel leichter, wenn man die Bewegung mit dem Atem verbindet. Also: „Atmest du?“

Verbinden kann man sich übrigens auch wunderbar mit einem Partner. Tatsächlich bin ich eigentlich kein großer Fan von Partnerübungen, war ich schon in der Schule nicht. Das ist ein bisschen eigenartig, weil ich eigentlich ein ziemlich kommunikativer und offener Mensch bin. Aber ich habe auch eine scheue Seite und einen kleinen inneren Perfektionisten und Kontrollfreak. Beides trägt eventuell dazu bei, dass ich mich beim Erlernen neuer Dinge zunächst lieber auf mich selbst verlasse als andere miteinzubeziehen. Dabei weiss ich, dass die Partnerübungen meistens großen Spaß machen. Und natürlich auch ihre Berechtigung haben. Denn manche Dinge kann man nun mal nicht allein.
Und so war es auch diesmal: zu dritt übten wir in zwei Runden eine Rückwärtsbeuge, die für die andere eine tiefe Dehnung in herabschauenden Hund war. Ein kombiniertes Sichfallenlassen und in den Boden schmelzen mit „fremder“ Unterstützung. Wirklich toll!

Partnerübung, korrekt ausgeführt
Partnerübung im Selbstversuch mit evtl. nicht ganz akkurater Ausführung

Ganz zum Schluss gab es dann noch eine Runde „Thai-Massage“, wieder in Paaren. Denn auch wenn man sich teilweise tatsächlich selbst massieren kann – die Füße zum Beispiel – so ist doch gerade das liebevolle Massiertwerden eins der Dinge, die nun wirklich viel schöner sind, wenn man sie nicht selbst machen muss.

Ansonsten war alles dabei, was man aus klassischen z.B. Vinyasa-Klassen kennt: Sonnengrüße, Chaturanga, Triconasana, Krieger 2 … Und dann übten wir Posen, aus denen wir leichtfüßig wie Elfen wieder aufstehen sollten. Wir verwandelten uns in Elfen und da war es wieder, das spielerische Element – Chakalaka! – das für mich so sehr dazu beiträgt, dass Silvias Klassen sowohl meinen Körper berühren, als auch meine Seele und mein Herz.

Also, werdet weich, macht euch locker und sprecht mir nach: Chakalaka!

Kommentare

  • Chakalaka! Super interessant fand ich wieder dein Blog und wollte dir einfach Danke sagen, fürs mitteilen… ich spüre eine sehr angenehme Auswirkung nachdem lesen und wollte einfach Bescheid sagen, dass du meinen innerlichen Welt schöner und „weicher“ gemacht hast….. viel Spaß noch in Bali, ich weiß dass du dich dort unglaublich fühlst und dass lang danach die Auswirkung in deinem Alltag fühlen werdest….
    ❤️❤️

    • Meine Liebe, ich danke dir von Herzen für diesen schönen Kommentar! Es freut mich wirklich sehr, dass du die Auswirkungen selbst spürst und dass deine Welt durch mich ein wenig weicher geworden ist. Sooo schön!
      Viele liebste Grüße aus Bali und hoffentlich bis bald!

von noemie